Warum die aktuelle Kampagne der Sparkassen nutzlos ist

Die Sparkassen veranstalten gerade eine PR-Kampagne (“Der Unterschied beginnt beim Namen“). Mit dieser wird betont, dass sich die kommunalen Finanzinstitute vor Ort engagieren, den Mittelstand fördern, lokale Vereine sponsern usw.

Die Kampagne ist zum Scheitern verurteilt. Denn das interessiert die meisten Leute kaum, was das Geldinstitut alles Gutes veranstaltet, wenn sie bei einer Direktbank ein normales Girokonto ohne Kontoführungsgebühren und mit kostenfreier Debitkarte bekommen. Das gesparte Geld kann man auch vorzüglich investieren oder spenden. ;)

Screen Shot 2014-09-13 at 22.55.09Wie die Zukunft der Filialbanken aussehen könnte, zeigt etwa die britische Metro Bank sehr gut. Diese erst vor einigen Jahren neu gegründete Filialbank konzentriert sich auf Services vor Ort wie Bareinzahlungen, Schließfächer, vor allem aber auf Dienstleistungen zum Mitnehmen. So bekommt man eine Debitkarte sofort zum Mitnehmen und mit Wunsch-PIN in der Filiale ausgestellt, wenn man bei Metro Bank ein Konto eröffnet, kann also sofort mit dem Banking loslegen. Auch die Einrichtung des Online-Bankings kann in der Filiale erfolgen und nicht per Kommunikation mit irgendwelchen unsichtbaren Gestalten in unsichtbaren Back-Offices. Das Call-Center ist einheimisch im Großraum London angesiedelt – auf meine scherzhafte Frage, ob ich bei einem Anruf einen indischen Akzent beim Gegenüber hören werde, erklärte die Bankberaterin “no, you will hear my accent“. Großzügige Öffnungszeiten (7 Tage die Woche, entsprechend Einzelhandels-Geschäftszeiten) und ein 0-GBP-Girokonto runden das Angebot ab. In gewisser Weise ist die Metro Bank die bessere Sparkasse – sie schafft Arbeitsplätze vor Ort, bietet persönlichen Service zu guten Konditionen und bringt damit die Innenstädte voran.

Aber es fehlt in der Bankbranche hierzulande an Visionen. Wenn man als Kunde der örtlichen Sparkasse (obwohl es technisch eben auch anders, besser möglich wäre) auch eineinhalb Wochen warten muss, bis alle Karten und PINs über den Postweg angekommen sind, dann kann man auch zu einer Direktbank gehen, denn dort muss man genauso warten.

Joopticket

Cindy aus Marzahn ließ sich ihrerzeit mal über das “Joopcenter” aus. Ich tue das selbe, nur über das Jobticket.

Das Jobticket von der S-Bahn Berlin/VBB (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg), das in Kooperation mit meinem neuen Arbeitgeber angeboten wird, muss sechs Wochen im Voraus bestellt werden.

Muss das eine romantische Sache sein. Ich gebe meinen Antrag beim Arbeitgeber ab, der gibt das am Folgetag beim Verkehrsunternehmen ab.

Von der S-Bahn Berlin GmbH reist dann jemand persönlich – beritten – am dritten Tag in den nahen polnischen Wald, in die Puszcza Rzepińska, um den schönsten Baum des Waldes auszusuchen. Dieser wird dann gefällt, damit genug Zellstoff da ist, um darauf meine Wertmarken fürs folgende Jahr zu drucken. In liebevoller Handarbeit wird die Masse geknetet und Papier mit Wasserzeichen daraus hergestellt.

Und gleichzeitig geht mit der Postkutsche von der Invalidenstraße eine Bestellung nach Rostock an die deutsche Hochseeflotte. Vor den Affenfelsen von Gibraltar gehen sie Tintenfische fangen. Nach vierwöchiger Fangreise werden die Tintenfische von deutschen, nach NGG-Tarifvertrag bezahlten Fachkräften handgemolken und daraus die Tinte für den Druck der Wertmarken gewonnen. In guter mittelalterlicher handwerklicher Tradition pinseln die Mönche des Klosters Chorin in Nordbrandenburg dann die Tintenfischtinte auf das Papier und verzieren es mit weisen Inschriften wie “VIA: BOB*B*BHBF*BZOO*BCH*BSP“.

Ein berittener Kurier wirft das Jobticket, in dem so viel Schweiß menschlicher Mühe drinsteckt, dann genau sechs Wochen nach der Bestellung in meinen heimischen Briefkasten ein.

Anders wäre diese lange Vorbestelldauer nicht zu rechtfertigen und es würde ja beinahe an eine Unverschämtheit grenzen. Aber im Zweifel ist doch eher davon auszugehen, dass da so viel Liebe und Arbeit drin steckt, nicht dass irgendein Sesselpupser in einem Büro sich viel Zeit lässt mit der Bearbeitung, obwohl es genug Blankowertmarken und Drucker gibt. Oder doch? ;)

Oder man bestellt sich einfach bei der NEB ein normales Abonnement, das ist etwas teurer und es gibt eine unromantische funkende VBB-fahrCard, aber man hat seine Ruhe und das geht in weniger als 14 Tagen. Ich habe mich doch für letzteres entschieden. Man stelle sich vor, jeder Berechtigte würde so ein Jobticket bestellen, dann würde das Ganze ja ob der massiven Arbeitslast zusammenbrechen… :D

Adobe Acrobat XI Pro installation fails on Mac OS X

If an Adobe Acrobat 8 installation on Mac OS X was incompletely uninstalled, the installation of Adobe Acrobat XI Pro may terminate prematurely with the message “The installation failed. The Installer encountered an error that caused the installation to fail. Contact the software manufacturer for assistance.“. Adobe Acrobat XI will be installed in the Applications folder by then, but due to the incomplete installation it will not start up properly and claim you need to activate your trial, even if you have entered a valid serial during the installation process.

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To fix this issue, you will have to firstly uninstall the incomplete installation of Adobe Acrobat XI and then delete com.adobe.*.plist in /Library/Preferences/ (which is a hidden path, so you will have to use Finder’s “Go – Go to Folder…” command). Afterwards retry installing Adobe Acrobat XI and it should work.

Allgemeinbildende Schule online – auch ein Modell für Deutschland?

Im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio gibt es bereits seit dem Jahr 2000 eine Online-Schule, den Electronic Classroom of Tomorrow (ECOT – Elektronisches Klassenzimmer von morgen). Das Programm der ECOT deckt vom Vorschuljahr bis hin zum Abschluss der Oberschule die gesamte Laufbahn der allgemeinbildenden Schulen (K-12) ab.

Electronic Classroom of Tomorrow (logo)

Electronic Classroom of Tomorrow

Es handelt sich hierbei um eine staatlich finanzierte Gesamtschule, deren Nutzung (Besuch trifft es nur eingeschränkt) kostenfrei ist. Die Schüler haben eine 25-Stunden-Schulwoche, können aber ihre Kursnutzung flexibel planen. Gesetzlich vorgeschriebene Vergleichsarbeiten müssen die Schüler bestehen, der Oberschulabschluss wird erst mit dem bestandenen Ohio Graduation Test (OGT) verliehen.

Das Angebot richtet sich an Schüler zwischen 5 und 21 Jahren mit Wohnsitz in Ohio. Eine Vielzahl von Schülern mit besonderen Bedürfnissen nutzt das Angebot von ECOT, etwa berufstätige Schüler, Schüler mit Erkrankungen, Leistungssportler, Schwangere, Schüler mit Mobbingerfahrung, Schüler mit Bedarf nach einem kurzfristigem Schulwechsel oder fortgeschrittene Schüler, die eine neue Herausforderung suchen. Ähnliche Online-Schulen gibt es z.B. auch im Bundesstaat Pennsylvania. Wäre dies auch ein Modell für Deutschland? Weiterlesen »

Ich, das Chip & PIN-Versuchskaninchen

In Deutschland ist man mit der Kartenzahlung ja generell nicht so weit wie in den uns umgebenden Ländern. Während man bei den Snackautomaten in der Stockholmer U-Bahn auch mit Karte bezahlen kann und auch der Döner-Imbiss neben dem Bahnhof im polnischen Stettin alle möglichen Karten annimmt, gilt hierzulande oft noch, dass nur Bares Wahres ist – auch wenn ich nicht weiß, wer ernsthaft mit 150 Euro auf ein Volksfest geht. Viel zu unsicher!

Nun nutze ich schon seit längerem bei meiner Hausbank, der comdirect, die Visa-Debit-Karte, die es kostenlos zum Girokonto gibt. Sie hat viele Vorteile, unter anderem die Bargeldabhebung im Ausland ohne Gebühren durch die Hausbank (leider kostet jede bargeldlose Fremdwährungstransaktion 1,5% Gebühr, aber das ist ein geringeres Übel).

Vor einem Jahr bekam ich eine Folgekarte, die nun auch kontaktlos funktionierte. Nach wie vor war das eine sogenannte Chip & Signature-Karte. Wenn man sie also an Kassen einsetzte, musste ich die Karte einstecken und unterschreiben. Sie “konnte” zwar auch Chip & PIN, aber die PIN musste man nur an Geldautomaten eingeben, oder eben an Automaten, die PIN-Eingabe erzwingen. Da fallen einem McDonalds Easy Order oder gewisse Fahrkartenautomaten, etwa der kommunalen Stuttgarter Verkehrsbetriebe SSB, ein. Welches Verfahren “bevorzugt” wird, entscheiden Zahlgerät und Karte im Zusammenspiel miteinander. Wenn ich diese Karte aber in Automaten der Deutschen Bahn steckte, um Fahrkarten zu lösen, wurde sie akzeptiert, ohne dass ich irgendwie “unterschreiben” oder eine PIN eingeben musste. Unheimlich, oder?

Nun war bei der Folgekarte von vor einem Jahr das kontaktlose Zahlen aus irgendeinem Grund recht unzuverlässig. Darum beantragte ich eine (kostenfreie) Ersatzkarte. Die kam dann auch prompt und das Begleitschreiben las sich sehr nett. Zur Sicherheit müsse ich an Kassen nun öfter die PIN eingeben. Und in der Tat, ich hatte nun eine Chip & PIN-Visa-Karte, bei der ich auch im Kaiser’s oder im Ullrich-Supermarkt die PIN eingeben musste, wo ich vorher zu unterschreiben hatte.

Oben: Chip & Signature (mit lebendigem Magnetstreifen). Unten: Chip & PIN (mit totem Magnetstreifen).

Oben: Chip & Signature (mit lebendigem Magnetstreifen).
Unten: Chip & PIN (mit totem Magnetstreifen).

Vor drei Tagen strandete ich in Minden in Westfalen, das Reisezentrum war geschlossen, und ich brauchte dringend eine ICE-Fahrkarte für die sofortige Fahrt nach Berlin. Der Automat nahm die nagelneue Ersatzkarte nicht an, da “Karte nicht lesbar”. Glücklicherweise hatte ich noch eine girocard (umgangssprachlich bis heute EC-Karte genannt) dabei. Doch auch einige Tage später am Bahnhof Zoo funktionierte die Visa-Karte an den Automaten nicht, wo sie danach im Ullrich-Supermarkt tadellos funktionierte.

Ein Anruf bei der Bank brachte die Erkenntnis, dass die neuen Chip & PIN-Karten auch mit totem Magnetstreifen ausgeliefert würden, aus Sicherheitsgründen. Doch würden – wie sich nach einen Anruf beim Kartenherausgeber Atos Worldline herausstellte – die Automaten der Bahn bei Visa vermutlich noch auf den Magnetstreifen zurückgreifen (wie es mobile Terminals der Zugbegleiter und die Kassen im Bordbistro auch tun, da die Karte durchgezogen und nicht gesteckt wird). Die alte Karte gelte aber dennoch bis zu ihrem Ablaufdatum weiter, zumal sie der neuen äußerlich gleicht. Ich solle einfach vorerst die alte Karte zum Zahlen bei Bahn-Automaten weiterverwenden, bis sie umgestellt seien. Gut, dass ich diese nicht entsorgt habe! Und doppelt gut, dass ich die neue Karte nicht gleich im Bordrestaurant oder beim Fahrkartenkauf im Zug getestet habe und unfreiwillig zum Zechpreller oder Schwarzfahrer geworden wäre, weil sie den neuesten Sicherheitsstandards entspricht!

In Großbritannien ist Chip & PIN bei Kreditkarten schon seit zehn Jahren verbreitet. Damals wurde eine große Kampagne gestartet, mit Werbespots im Fernsehen und dem Slogan “Safety in Numbers“. In der Tat konnte man damit die Schäden im Banksektor durch den Missbrauch von Karten erheblich senken. Meine alte deutsche Karte, bei der noch eine Unterschrift erforderlich war, wurde als extrem exotisch angesehen und brachte mir an Selbstbedienungskassen Ärger ein. Aber immerhin hat man die Änderungen an ihre eigenen Bürger richtig kommuniziert.

Nur hierzulande findet der Rollout erstens viel zu spät und zweitens dann noch still und heimlich statt, und einige sind an vorderster Front dabei und andere haben es verpennt. Dabei sagt man doch, Deutschland sei so gut organisiert?

Die Taliban unter den guten Kunden

Wir haben seit einiger boulevardesker Berichte in öffentlich-rechtlichen Medien einen Kulturkampf zwischen Kunden, die gern online bestellen, und welchen, die (teils mit sehr moralinsauren Argumenten) auf den lokalen Einzelhandel schwören.

Schauen Sie sich doch mal die Frage hier auf der Facebook-Seite vom “Deutschlandfunk” an – “Hand aufs Herz: wo kaufen Sie Ihre Bücher?

Guten Appetit!

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(Okay, als Kaufhäuser aufkamen, schimpfte man auch gerne auf die Juden. Der Lack der Zivilisation ist hauchdünn.)

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Als Verbraucher, der nicht besonders wohlhabend ist, stelle ich fest, dass Gründer wie Jeff Bezos oder auch die Albrecht-Brüder (Aldi) das Leben der kleinen Bürger wohl deutlich mehr verbessert haben als es jeder Karl Marx oder verbeamtete Sozialbürokrat getan haben.

Persönlich kaufe ich vieles online, weil der Einzelhandel vor Ort einfach keine adäquaten Angebote hat. Wenn die einzigen Repräsentanten des Elektronikhandels in einem Ort ein Media Markt und ein Saturn (beides Metro-Konzern) sind, und Druckerkabel dann zehn Euro kosten statt drei, ist das einfach kein Wettbewerb. Oder weil Amazon als Marktplatz viele nicht preisgebundene Gebrauchtbücher aufführt, während für Neubücher in Deutschland immer noch das Buchpreisbindungsgesetz gilt, das eine Branche künstlich protegiert und Kultur teurer macht. Oder weil man sonntags in Online-Katalogen stöbern kann, aber Ladengeschäfte zu sind. Oder weil man online mit Kreditkarte zahlen kann, was in einigen Geschäften offenbar immer noch ein exotischer Sonderwunsch ist.

Hier muss sich der Einzelhandel mitsamt den Einzelhandelslobbyisten aber an seine eigene Nase fassen und fragen, wie man sein Produkt verbessern kann. Wer nur auf die Konkurrenz schimpft und sich sogar xenophoben Ressentiments bedient, hat den Misserfolg verdient. Und leere Innenstädte sind ein Mahnmal des Versagens derjenigen Geschäftsleute, die sich qualitativ nicht dem neuen Wettbewerb anpassen konnten.

Mit dem Bus durch Deutschland – der Praxistest

Seit der Liberalisierung durch die schwarz-gelbe Bundesregierung im letzten Jahr kam es zu einem regelrechten Fernbusboom in Deutschland. Viel günstiger als eine Bahnfahrt soll die Fahrt mit dem Bus sein und dabei mehr Service bieten, etwa mit Steckdosen und Internetzugängen ausgestattet sein. Doch was zeichnet den Fernlinienbus aus und ist er auch jenseits von der Eisenbahn unerschlossenen Strecken wie Dortmund-Siegen eine echte Alternative? Ich habe den Praxistest gemacht.

Von Berlin nach Dortmund sollte es gehen – eine Strecke, die mit stündlichen ICE-Zügen und verstärkenden Intercity-Zügen bereits sehr gut versorgt wird. Hin an einem Samstag mit ADAC Postbus, die Rückfahrt findet am Sonntag mit MeinFernbus statt. Gebucht wird die spontane Reise eine halbe Woche vorher. Die Hinfahrt mit dem ADAC Postbus schlägt mit 23,00 Euro zu Buche, bei MeinFernbus kostet die Rückfahrt 20,00 Euro. Komfortabel wird online gebucht, die Tickets zum Selbstdruck sind im Nu da. Weiterlesen »

Der Verbraucher, das unbekannte Wesen

Vorstöße von niederländischen und schwedischen Vertretern in der EU gehen dahin, die gesetzlich vorgeschriebenen Mindesthaltbarkeitsdaten für Tee, Nudeln, Konserven und eine Reihe anderer länger haltbarer Produkte abzuschaffen.

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Nun, eine Konserve mit der Aufschrift “Herkunft Deutsches Reich” würde ich aller Umweltschutzgedanken zum Trotz nicht mehr essen, sie hätte nur musealen Charakter. Tee ist sicher nicht akut gesundheitsschädlich, wenn er drei Jahre alt ist, aber Geschmack ist auch nicht mehr vorhanden.

Mein Eindruck ist, dass man das Pferd von hinten aufzäumt. Besonders oft weggeworfen werden ja nicht Konserven, sondern Frischwaren. Man sollte daher auch für abgepacktes Obst und Gemüse ein “Display Until”-Datum oder ein Herstellungs-/Abpackdatum vorschreiben, wie es im britischen Einzelhandel bereits üblich ist. Die Wegwerfproblematik wird dann dadurch gelöst, dass die Händler die Sachen, die nicht mehr ganz so frisch, aber noch essbar sind, knallhart reduzieren können. Und, platt gesagt, dann vergammelt es im Zweifel im Geschäft und nicht bei mir zuhause. Das setzt natürlich auch eine Bereitschaft des Einzelhändlers voraus, sich damit auseinanderzusetzen und den eigenen Warenbestand im Blick zu behalten. Wenn sowieso auf die Einschweißfolie für abgepacktes Gemüse irgendwelche Kennnummern gedruckt werden, dürfte es kein großer Aufwand sein, noch ein Abpackdatum hinzuzufügen.

Oft wird sich auch darüber beklagt, dass der Deutsche Waren kurz vor dem Ablauf des MHD keinesfalls kaufen wolle und deswegen immer nach hinten ins Regel greife. Auch das ist falsch – solche Waren werden gern zum sofortigen Verzehr gekauft, aber eben nicht pauschal zum vollen Preis. LIDL etwa geht mit gutem Vorbild voran und versetzt solche Produkte mit einem roten “-30%”-Aufkleber. Denn natürlich zahlt man ungern den vollen Preis für etwas, was man dann zuhause kaum lagern kann.

Überhaupt, das Lagern: Auch das wäre kein Thema mehr, wenn es sich durchsetzen würde, dass jeder täglich oder alle zwei Tage einkauft und dafür nur das, was wirklich kurzfristig gebraucht wird. Das wird schon ein wenig erschwert, wenn etwa sonntags aufgrund überholter politischer Positionen die Läden geschlossen sind (bis auf die in Fernbahnhöfen, die dann zum Bersten voll sind – ja, die Bürger sind oft liberaler als ihre “Volksvertreter”).

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Aufrufanlage im Kassenbereich von Marks & Spencer, Amsterdam

Auch die Einrichtung selbst des kleinsten deutschen “Supermarkts”, der in anderen Nationen als Convenience-Geschäft bezeichnet werden würde, ist mit sperrigen Einkaufswägen und Laufbändern eher auf einen Wocheneinkauf einer fünfköpfigen Großfamilie ausgerichtet als mit kleinen Körben und einer Aufrufanlage an der Kasse auf spontane Kurzeinkäufe. Wirklich absurd war das bei einem Besuch von mir vor längerer Zeit im Kaiser’s am Berliner Wittenbergplatz, wo man schon so nur mit Mühe durch die Gänge kommt.

Im deutschen Einzelhandel werden die Konsumenten vielleicht oft als “Nutzer” statt als “Kunde” betrachtet und sollen froh sein, wenn es überhaupt etwas gibt. So lassen sich auch die kuriose Verweigerung der Kartenzahlung oder absurd hohe Mindestumsätze in manchen Geschäften erklären – Hilfe, Kunde droht mit Umsatz. Doch auch auf der anderen Seite hat man die liebe Not mit dem Durchschnittsverbraucher. Ein Geschäftsführer einer bekannten Berliner Supermarktkette teilte mir mit, man habe das Aufrufanlagen-Konzept vor einiger Zeit getestet, die Kunden hätten sich dann aber über extrem lange Schlangen aufgeregt (obwohl die Wartezeit dafür gerechter verteilt wird und im Schnitt nicht länger sein dürfte).

Der Weg der Askese und Selbstkasteiung ist falsch. Die Verbraucher sind keine Unmenschen, die massenweise Lebensmittel einkaufen, bei sich horten und dann wegwerfen. Sie sind vielleicht überfordert mit Abläufen in der Branche, die nicht mehr zeitgemäß sind. Die Politik sollte sich aber hüten, “du isst deinen Teller nicht leer und in Afrika verhungern Kinder” oder ähnliche Plattitüden von sich zu geben, zumal die angestrebten Ziele deutlich einfacher erreicht werden können, indem der Alltag benutzerfreundlicher gemacht wird.

Keine BahnCard 100 für mich

Sie können die Mikrowelle natürlich so kaufen, aber dann ist kein Drehteller dabei. Entweder Sie bringen Ihren eigenen Drehteller mit oder Sie kaufen einen neuen bei uns, den gibt es aber nur, wenn Sie gleichzeitig einen neuen Kühlschrank kaufen, einzeln verkaufen wir den nicht.

Ein Gespräch im Elektro-Fachmarkt, das so oder so ähnlich verläuft, kann man sich wohl kaum vorstellen. Im öffentlichen Verkehr sind solche Geschäftspraktiken aber nicht unbekannt, und das Versprechen grenzenloser Mobilität mit der BahnCard 100 kann nur teilweise gehalten werden.

Kurz zu mir: Ich gebe pro Jahr ungefähr 2.500-3.000 Euro für Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr aus. Bisher gingen, da ich ja studierte, rund 300 Euro pro Jahr für ein Semesterticket (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, Stadttarif Berlin ABC) drauf. Der Rest waren dann größtenteils DB-Fernverkehrsfahrkarten (meist Sparpreise 2. oder gelegentlich auch der 1. Klasse, die bei früher Buchung oft nur wenige Euro teurer sind), Deutschland-Pässe, und ab und zu ein Länderticket oder Verbundfahrkarten aus anderen Regionen. Ich fahre bevorzugt Bahn, nur sehr selten nutze ich einen Fernbus oder fliege inländisch. Vielleicht ist auch der bahn.bonus comfort-Status ausschlaggebend, mit dem man dann auch ohne Fahrkarte in die DB Lounges kann.

Nun ja – jetzt dachte ich mir, eine BahnCard 100 könnte zum Berufseinstieg sehr nett sein. Sie kostet zur Zeit als Jahreskarte bei Einmalzahlung 4.090 Euro (2. Klasse) oder 6.890 Euro (1. Klasse) und bei Ratenzahlung 379 Euro bzw. 639 Euro monatlich. Rabatte für die üblichen Verdächtigen (Schüler, Studenten, Rentner, Schwerbehinderte…) gibt es, anders als etwa beim Generalabonnement der SBB, leider nicht, auch wenn Rüdiger Grube in einem Zeitungsinterview vor Jahren mal von Überlegungen gesprochen hat, einen Rabatt für Senioren einzuführen. Und wenn ich mir eine 2.-Klasse-BahnCard 100 holte, wäre die 1. Klasse für mich dauerhaft tabu, wenn ich nicht ein bahn.bonus-Upgrade nutzte oder die Normalpreisdifferenz bezahlte (die Kombination BC100 2. Klasse und BC50 1. Klasse darf nicht für einen vergünstigten Aufpreis angewandt werden).

Dann habe ich gesehen, dass eine Bahnagentur eine alternative Bezahlung auf Raten anbietet, die sie selbst vorfinanzieren und somit günstiger ist als bei der DB. Gut, als Berufseinsteiger hat man noch keine Reserven, also ein kurzer Mailwechsel. Aber nein, gute Bonität hin oder her, man würde dieses Produkt nur Kunden ab einem bestimmten Lebensalter anbieten! Aber gerne könne ich die BahnCard 100 zur Einmalzahlung bei ihnen erwerben. – Mal überlegen… – Ernsthaft? Danke, ihr mich auch. Die kaufe ich direkt bei der Bahn, dann bekommt ihr für euren Nicht-Service auch keine Vertriebsprovision.

Doch der dicke Hund kommt noch. Ich wohne in der VBB-Zone Berlin A und arbeite in der Zone Berlin B, und an meinen Arbeitsplatz fahren nur U-Bahnen der BVG und keine S-Bahnen, die man in jeder Zone (da DB-Tarif) mit der BC100 nutzen kann. Anders als in allen anderen Städten Deutschlands gilt die City-Ticket-Funktion jedoch nicht im gesamten Stadtgebiet, sondern nur in Zone A.

Es gibt einen Anschlussfahrschein Berlin für die Zone A oder C, für VBB-Zeitkarteninhaber der Preisstufen Berlin AB oder BC, für 1,60 Euro. Dieser gilt aber nicht für Zone B. Auf Anfrage beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg heißt es, die BahnCard 100 ist nicht ihr Produkt, so dass aus ihrer Sicht kein Bedarf für ein neues Produkt Anschlussfahrkarte Berlin B existiert. Grundsätzlich habe man nichts gegen eine Erweiterung des City-Tickets auf Berlin B, aber da müsse die Bahn auf den VBB zukommen. Ich schlussfolgere, dass ich also zusätzlich zur BahnCard 100 eine VBB-Jahreskarte brauche – die es natürlich nicht für Berlin B alleine gibt. Berlin AB (722,00 Euro) steht außer Frage, da ich sicher nicht für eine Zone doppelt bezahlen will. Also kommt zur Kalkulation eine Jahreskarte für Berlin BC (763,00 Euro), obwohl ich extrem selten nach C fahre. Auch hier ist die Lage in der Schweiz eine andere, wo das GA der SBB auch in vielen Verbundverkehrsmitteln auf der ganzen Strecke gilt.

Es geht also ums Geld. Da stehen zwei Giganten – VBB und DB – jeweils auf ihrem Hügel und starren sich an, beamtenmikadomäßig darauf wartend, dass der andere den ersten Schritt macht, und der Zuständigkeitsstreit vergrault den Beförderungsfall, der so oder so draufzahlt. Gut, es heißt zwar, dass BVG-Kontrolleure inoffiziell dulden.

Gerne hätte ich meine Ausgaben von 3.000 auf 4.090 Euro pro Jahr erhöht, um flexibel zu sein. Ich hätte sogar die gelegentliche 1.-Klasse-Fahrt geopfert – wie gesagt, oft ist der 1.-Klasse-Sparpreis nur etwa fünf bis zehn Euro teurer als der der 2. Klasse und man kann sich die Reservierung im Regelfall sparen, kann in der Lounge einen kleinen Snack einnehmen und bekommt Gratiszeitungen im Zug.

Aber knapp 5.000 Euro (4.853 Euro für die Kombination BC100 + Jahreskarte VBB Berlin BC) ist ein dermaßen großer Unterschied, dass es sich überhaupt nicht mehr lohnt. Ich werde also weiter mit Billigtickets durch die Gegend fahren, dem Gesamtsystem ÖV geht Umsatz durch die Lappen, aber das System will es offenbar so.

Permitted Routes on German Rail Tickets

When you buy a Normalpreis (regular fare, anytime, fully flexible) ticket for use on German railways, you might be asking yourself what the route description (Wegetext; Raumbegrenzung) on your ticket means.

For example, a ticket from Hannover to Berlin will be issued “VIA: LEHR*(SDL*BSP/HE*EILS*MD*GSN)*BGS“. (Yes, the ticket issued will be “Hannover -> Berlin”, not “Hannover Hbf -> Berlin Ostbahnhof” or “Hannover Anderten/Misburg -> Berlin Warschauer Str.” as station grouping will apply.)

  • Each routeing point (Leitpunkt) (LEHR, SDL…) denominates a station of major importance. For example, LEHR is Lehrte, SDL is Stendal, MD is Magdeburg, BGS is Berlin-Gesundbrunnen. Many such acronyms are in fact derived from the German car licence plate acronyms, but not all are (NILA for example is a riddle to most but means Niederlahnstein, in Rhineland-Palatinate). Lists of routeing points (Verzeichnis der Leitpunkte) are floating around on the internet. The official German railway routeing guide (Tfv 603 – Entfernungszeiger) also includes a list of routeing points but is unfortunately not publicly available – if you know anyone working in a DB Travel Centre or at a rail appointed travel agent (Agentur) they may be able to help you though.
  • Stars (*) are simple delimiters that separate routeing point acronyms from each other.
  • A room restriction (Raumbegrenzung) is defined by use of brackets and slashes. In this example, the room is defined between LEHR (Lehrte) and BGS (Berlin Gesundbrunnen), any route between SDL*BSP (Stendal and Berlin-Spandau) and HE*EILS*MD*GSN (Helmstedt, Eilsleben (bei Magdeburg), Magdeburg and Güsen (bei Genthin)). As this is a room definition you can travel on any of these two routes or, if available, any route between these two limitations.
    (In fact, between Hannover-Berlin, you only have the choice between these two routes but it may be different if you are travelling between Hamburg and Stuttgart and have a VIA of HH*HAR*(H/K*KO)*BIET*S on your ticket, which allows you to travel on any route between Hamburg-Harburg – Hannover – Bietigheim-Bissingen, or Hamburg-Harburg – Köln – Koblenz – Bietigheim-Bissingen – a true multitude of detours awaits you!)

It is important to stick to the route description on your ticket, especially as different routes (such as Cologne-Frankfurt via Koblenz (the slower Rhenish route) vs. Cologne-Frankfurt via Montabaur/Limburg (the new high speed route)) may not be included in the same route description and may be priced differently, despite both being operated by DB Fernverkehr and both served by through trains. If you board an intercity service with the wrong ticket, you will be asked to pay an excess fare, and if you board a local / regional service you may even be fined.

As another example, let’s take routeing map KY (London King’s Cross to York / Scarborough) of the UK National Routeing Guide and turn it into a Via description. (The German equivalent of the National Routeing Guide that is called Tfv 603 (Entfernungszeiger) and includes maps and permitted routes is not available to the public, so for the purpose of this example we will use a UK railway map.)

It would be represented as

London*(Kings Cross/Essex Road*Highbury and Islington)*Finsbury Park*Alexandra Palace*(Hatfield/Hertford North)*Stevenage*Hitchin*Peterborough*(Grantham*Newark*Retford/Spalding*Sleaford*Lincoln)*Doncaster*(Wakefield*Leeds/Selby)*York*Scarborough

Note Doncaster*(Wakefield*Leeds/Selby)*York. Even though the map allows three routes from Doncaster to York – via Wakefield and Leeds, direct, and via Selby, only two routes are mentioned within the bracket. The direct route that goes through in between these two is not mentioned in the room restriction. But it is neither required nor allowed to use more than one slash within a bracket as the room restriction does not enumerate alternative routes but simply defines the two borders of the room!

In short, with CRS codes in place of stations/locations:

London*(KGX/EXR*HHY)*FPK*AAP*(HAT/HFN)*SVG*HIT*PBO*(GRA*NNG*RET/SPA*SLR*LCN)*DON*(WKF*LDS/SBY)*YRK*SCA

Often, however, only a few routeing points (four up to ten) are printed on a ticket so you will not usually find such a long “via” on your ticket.