Telekom MyWallet – nein danke

Ich habe mich vor zwei Wochen entschieden, anlässlich der großen „zahl einfach mobil“-Kampagne in Berlin das Angebot Telekom MyWallet zu testen. Ein Angebot, das aus einem Konto, einem NFC-Sticker und einer dazugehörigen Zahlkarte besteht. Technik nutze ich gern, und mit einem regelmäßigen Gehalt aus dem öffentlichen Dienst wäre ich doch eigentlich ein A-Kunde für solch ein Angebot, oder? Der Teufel steckt wie immer im Detail.

Die Online-Registierung und Bestellung der Karte erfolgte unproblematisch. Montags bestellt, die Karte und der NFC-Sticker kamen mittwochs und zwei Tage später auch die PIN. Ohne PostIdent kann lediglich von eigenen Girokonten Guthaben auf das MyWallet-Konto geladen werden. Für die Akzeptanz von sowie die Einrichtung der Aufladung per Lastschrift sollen zunächst eine Identifizierung eines Girokontos (per 1-Cent-Überweisung) und ein PostIdent erfolgen.

Das Mitte der Woche abgesendete PostIdent wurde erst am Montag der Folgewoche verarbeitet. Andere Anbieter wie Number26 waren wesentlich schneller, da war das PostIdent meiner Erinnerung nach schon am Folgetag abgearbeitet.

Die kontaktlose Kartenzahlung mit dem Sticker muss online autorisiert werden. Das Kartenterminal des Händlers braucht also, nachdem der Kontaktlos-Sticker gelesen wurde, immer relativ lange, bis die Zahlung erfolgt ist. Deutlich länger als bei kontaktlosen Kreditkarten, die meist eine schnelle Offline-Autorisierung bei geringen Beträgen unterstützen.

Screen Shot 2015-06-12 at 09.31.32 Die an einem frühen Nachmittag im Online-Banking von meinem Girokonto abgesendete Guthabensüberweisung tauchte in MyWallet erst am 2. Folgetag auf. Vergleichbare Überweisungen auf andere Bankkonten werden von der Empfängerbank in Zeiten von SEPA stets am Folgetag verbucht. Wo das Geld zwischendurch war, ob es „arbeiten“ musste, kann man natürlich nicht in Erfahrung bringen. Allerdings sind langsame Guthabenüberweisungen eine starke Einschränkung der Nutzbarkeit von MyWallet. Die Aufladung der Wallet per Kreditkarte ist nämlich kostenpflichtig, und die andere Alternative ”DirektÜberweisung“ auch nicht für jedermann (ein anderes Thema für einen anderen Tag).

Screen Shot 2015-06-12 at 09.25.38 Der angehende Power-User möchte sich also ein automatisches Aufladen per Lastschrift einrichten. Doch halt, warum funktioniert das nicht, obwohl Girokonto und Person legitimiert sind? Die Hotline verweist darauf, dass eine Bonitätsprüfung stattfinde. Man solle sich bitte an Creditreform Boniversum wenden und eine Selbstauskunft nach dem Bundesdatenschutzgesetz beantragen. Auf meine Frage nach dem Chef und einem Hinweis auf regelmäßiges Einkommen in mehr als ausreichender Höhe heißt es nur, es gäbe standardisierte Verfahren, weswegen keiner vor Ort eine Entscheidungsbefugnis habe.

Die angeforderte BDSG-Eigenauskunft bei der Auskunftei Boniversum lieferte weder harte Negativkriterien noch andere hinterlegte Geschäftsbeziehungen. Lediglich einen leicht unterdurchschnittlichen Score, für den es alle möglichen Gründe geben kann, ob „falsches“ Alter, Geschlecht oder Adresse. Sogar eine fehlende Kredithistorie wirkt sich bei vielen Auskunfteien tendenziell negativ aus. (Bei der Schufa hingegen – mit der Telekom MyWallet nicht zusammenarbeitet – liegt genug Kredithistorie über mich vor und ebenso keine Negativeinträge.)

Es wird Zeit, einen anderen Kanal zu konsultieren. Das Twitter-Team Telekom_hilft erscheint erst mal hilfreich und bittet um etwas Geduld. Die Anfrage werde an die Experten weitergeleitet. Das klingt erst mal gut. Doch das Anliegen landet nicht endlich bei jemandem mit Entscheidungsbefugnis, sondern auf dem Tisch des gleichen First-Level-Supports, und wird per E-Mail abgebügelt.

Nun werde ich Konsequenzen ziehen und die Kündigung abschicken. Zum Glück gab es ja einen Start-Bonus von 10 Euro, so dass ich wenigstens nichts für ein Produkt zahlen musste, das nicht richtig funktioniert. Kontaktlose Kartenzahlungen gibt es etwa bei der DKB, comdirect oder Consorsbank schon länger, wenn auch diese Banken auf Visa payWave setzen.

Screen Shot 2015-06-12 at 09.38.24Kontaktloses Maestro ist zwar nett und in der Tat selten in Deutschland. Aber ein so großer Mehrwert ist das nicht, wenn man davon absieht, dass Aldi bisher nur Maestro- und V-Pay-Kontaktloszahlungen akzeptiert, aber nicht Visa oder MasterCard. Letztlich ist MyWallet also eher eine nette Spielerei als eine Alternative zu einem guten Bankkonto.

Ich bin froh, dass ich kein Kunde der Deutschen Telekom bin. Wenn es schon bei so einer relativen Kleinigkeit am „Computer says no“-Prinzip scheitert, will ich nicht wissen, wie aufgeschmissen man als Kunde bei größeren Problemen ist. Bei den vielgescholtenen Banken hingegen sind gerade in solchen Fällen individuelle Lösungen möglich und es wird nicht blind auf das Urteil eines Computers verwiesen, dass man vermeintlich ein schlechter Zahler sei, nur weil einige andere in der selben Alters-, Geschlechts- oder Wohnortsgruppe es sind.

Legalize it! Für ein freies Verkaufsrecht von Spätis an Sonntagen!

Derzeit läuft unter dem Schlagwort „#RettetdieSpätis“ eine Petition von Christina Jurgeit aus Berlin. Die Petentin fordert, dass das Landes-Ladenschlussrecht angepasst wird. Die das Stadtbild mit prägenden Berliner Spätkäufe – oft Familienbetriebe – sollen auch an Sonntagen ihr volles Sortiment verkaufen dürfen.

Und es hagelt in den Online-Diskussionsspalten wieder die altbekannten konservativen Stammtischparolen, die jeder in- und auswendig kennt, der sich mit Ladenschlussdebatten beschäftigt. Früher sei auch keiner verhungert, als um 18:30 an Werktagen alle Geschäfte schlossen. Alles verweichlicht, die Menschen können sich nicht mehr organisieren. Der ganze Kommerz sei überhaupt etwas ganz Furchtbares.

Doch früher gab es auch noch eine Hausfrauengesellschaft, die es heute nicht mehr gibt. Was für den „Veggie Day“ gilt, muss auch bei Ladenöffnungszeiten gelten: Lebensstilentscheidungen sollten nicht per Gesetz vorgeschrieben werden.

Schaut man sich in den EU-Nachbarstaaten um – ob Polen, Niederlande oder Großbritannien – sieht man, dass die Gesellschaft nicht untergeht, wenn auch sonntags Einkaufsmöglichkeiten existieren. Ganz im Gegenteil: Man kann nicht gleichzeitig den Versandhandel für die vermeintliche Verödung von Innenstädten und das Aussterben lokaler Unternehmen verantwortlich machen und es dem Verbraucher so schwer wie möglich machen, zu passenden Zeiten den ortsansässigen Einzelhandel zu nutzen.

Im Übrigen zeigt sich bei dieser Debatte eine widerliche Doppelmoral. Im eigenen Land hält der konservative Deutsche den angeblichen Arbeitnehmerschutz hoch (wohlgemerkt: für die, die gerade jetzt Arbeit haben, aber zulasten derer, die durch eine Änderung Arbeit bekommen könnten – ein paar Studentenjobs für Wochenenden an der Kasse sind doch eine gute Sache). Doch fährt man sonntags nach Stettin (PL) oder Venlo (NL), hört man in der ganzen Innenstadt viele deutsche Stimmen – Grenztouristen, die dort ausgedehnte Shoppingtouren erledigen. Das Geld bleibt dann in Polen oder den Niederlanden und die Umsatzsteuer füllt die dortigen Staatskassen.

Doch wer für diese Entwicklungen verantwortlich ist, wird wohl kaum den lokalen Einzelhändlern reinen Wein einschenken und gestehen, dass man sie auf dem Altar überholter Anstands- und Lebensstilvorstellungen geopfert hat. So wird medial und nicht zuletzt im von der Allgemeinheit finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter auf Amazon, Zalando und andere Versandhändler eingedroschen. Also auf die Überbringer statt die Verursacher der schlechten Nachrichten, wie es gute Tradition in der Politik ist.

Im eigenen Saft garen

Man versucht mit enormen Anstrengungen seitens der Staatsorgane und der Verbände, die internationale Verwendung deutschen Rechts mit dem Slogan „Law – Made in Germany. global effektiv kostengünstig“ zu fördern. Die Resonanz ist mäßig, man lese nur den Text von Peter, Warum die Initiative „Law – Made in Germany“ bislang zum Scheitern verurteilt ist, JZ 2011, 939. Insgeheim denken viele aus der Branche wohl immer noch, man sei Weltspitze und werde es für immer bleiben. Verwiesen wird auf Länder wie Griechenland, Südkorea oder Japan, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch orientiert haben. Doch der kontinentaleuropäische Rechtskreis hat im internationalen Vergleich stark an Glanz verloren.

Symptomatisch für das Leben in einem Paralleluniversum ist der Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia zur Juristenausbildung in England und Wales. Süffisant wird angemerkt, dass ein Studium nicht erforderlich sei, um in Großbritannien die Rolle eines Solicitors zu übernehmen. Unterhaltsam ist der Hinweis, dass Menge und Qualität der Speisen bei den verpflichtenden Abendessen (dining terms) bei der Ausbildung zum Barrister zu wünschen übrig ließen. Berufen wird sich aber lediglich auf einen Aufsatz aus dem Jahr 1962 und ein 20 Jahre altes, deutschsprachiges Lehrbuch statt auf aktuelle englischsprachige Primärquellen.

Blickt man auf den englischsprachigen Wikipedia-Artikel zu dem Thema, stellt sich die heutige Lage ganz anders dar: „Requirements for becoming a lawyer in England and Wales and in Northern Ireland differ slightly depending on whether the individual plans to become a solicitor or barrister. All prospective lawyers must first however possess a qualifying law degree, or have completed a conversion course.“ Der Zugang ist offener geregelt als in Deutschland, als für einen Absolventen eines fachfremden Studienganges lediglich ein einjähriges Aufbaustudium der juristischen Pflichtfächer genügt. Vielfalt ist kein Nachteil für den Berufsstand. Es ist aber heute selbst in England definitiv nicht so, dass jeder Anwalt werden kann.

In anderen Nationen schüttelt man darüber den Kopf, dass in Deutschland statt erfahrener Anwälte lieber beeinflussbare Jungabsolventen zu Richtern berufen werden und Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen für die Beteiligten treffen. Auch die Qualität der Rechtsprechung leidet, wenn die rechtsprechende Gewalt die Tricks der Anwälte nicht kennt – dies zeigt etwa diese Posse aus dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Interessenkonflikte verhindert das bewusste Rekrutieren berufsunerfahrener Juristen übrigens auch nicht. Warum man an einem System mit offensichtlichen Verfallserscheinungen festhält, darüber darf sich jeder selbst ein Urteil bilden.

Ferienwohnungsverbot in Berlin ist reine Symptombekämpfung

Heute wieder im Tagesspiegel gelesen: „Das System Airbnb: Ferienwohnungen spitzen die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zu. Wie Online-Anbieter von Ferienappartements den Berlinern die Wohnungen streitig machen.

Natürlich, jede Ferienwohnung entzieht diese Wohnung dem Mietermarkt. Und klar, man sollte gegen diejenigen vorgehen, die das als ein schwarzes Gewerbe betreiben. Gab es in meinem Wohngebiet neulich auch schon, da wurde dann ein Mieter, der jede Woche neue Untermieter reinholte, vom Eigentümer rausgeworfen.

Aber Fakt ist nun mal, dass nicht jeder in der Innenstadt leben kann, auch wenn das sicher viele möchten und die Landflucht auch in Deutschland seit Jahren ungebremst weiter geht. Zweckentfremdungsverbote oder Mietpreisbremsen bekämpfen lediglich die Symptome, nicht die Ursachen, die in einem schwachen Angebot liegen.

Wohnungsbesichtigung in London (2011)

Wohnungsbesichtigung in London (2011)

Wohnungsbau ist in Deutschland teuer und Neubauten grundsätzlich nur im Hochpreisbereich rentabel, weil Partikularinteressen für immer schärfere Bauvorschriften gesorgt haben. Darüber hinaus sind periphere Gebiete sehr schlecht angebunden. Das muss nicht mal die Uckermark sein – auch schon am Stadtrand Berlins wird es schwierig, wenn man nur an einen Bus im 30-Minuten-Takt angebunden ist. In London kann man das sehr gut am Boom in Wohngebieten sehen, die durch die neue Nahverkehrslinie Crossrail deutlich besser an die Innenstadt angebunden sein werden.

Ja, auch in der Berliner U-Bahn wird bereits für Häuser in Rathenow geworben. Aber solange dort vom Berliner Stadtzentrum nur einmal pro Stunde eine einsame ODEG hinfährt, ist das natürlich keine Option für Pendler, die sich nicht jeden Tag den Autoverkehr antun wollen. Hier haben Berlin und Brandenburg noch erheblichen verkehrspolitischen Nachholbedarf!

Es muss nicht jeder in der Innenstadt Berlins leben. Wenn es aber möglich wird, zu vernünftigen Fahrzeiten mit dem ÖV auch aus Außenbezirken oder dem Speckgürtel anzureisen, wird sich der Wohnungsmarkt etwas entzerren. Solange eine U-Bahn-Erweiterung (U55) vom Alex zum Hauptbahnhof fast ein Jahrzehnt braucht – die ursprünglich mal geplante Erweiterung über Turmstraße-Jungfernheide-Tegel werde ich wohl nicht mehr erleben –, ist das natürlich eine hohe Messlatte…

Consorsbank vs. DKB vs. Number26

In Deutschland gibt es derzeit drei internationale Bezahlkarten von Direktbanken, die sehr populär sind. Die Rede ist von der Visa Debit der Consorsbank (BNP Paribas), der Visa (Charge) der Deutschen Kreditbank und der MasterCard von Number26 (in Zusammenarbeit mit Wirecard).

Alle diese Karten werben mit kostenloser Bargeldabhebung im In- und Ausland, was sie für Vielreisende zur unentbehrlichen Allzweckwaffe macht. Im Detail unterscheiden sie sich allerdings voneinander. Ganz grundsätzlich würde ich jedem Reisenden empfehlen, mindestens zwei Karten mitzunehmen, gerne auch von unterschiedlichen Zahlungssystemen, z.B. einmal Visa und einmal MasterCard. Es kann immer irgendetwas kaputt oder verloren gehen und in diesem Fall ist man dann auf der sicheren Seite.

Hier eine kurze und nicht vollständige Aufstellung von Vor- und Nachteilen:

DKB:
+ Erstattung von direkten Kundenentgelten an Fremdautomaten (z.B. USA, Thailand, Südkorea; in Deutschland gibt es direkte Kundenentgelte bei Visa-Abhebungen nicht, in anderen Ländern wie UK gibt es jedenfalls meist die Möglichkeit, auf kostenlose Automaten auszuweichen)
+ Offline-PIN-Unterstützung, d.h. nur im absoluten Ausnahmefall Zahlung mit Unterschrift
+ Visa payWave (Kontaktlos)
+ Wettbewerbsfähige Verzinsung des Kartenguthabens
+/- Charge-Karte: Abrechnung monatlich, aber keine Teilzahlungsfunktion, Akzeptanz gleicht der von Visa Credit
– 1,75% Fremdwährungsgebühr bei unbarer Zahlung

Number26:
+ Keine Fremdwährungsgebühr, weder bei Bargeldabhebung noch bei unbarer Zahlung
+/- Debit-Karte: Zeitnahe Abrechnung von Umsätzen nach 1-3 Tagen, aber lückenhafte Implementation, da App ID nicht „Debit MasterCard“ und Logo „Debit MasterCard“ fehlt, daher kein Akzeptanzvorteil ggü. MasterCard Credit
– Kein MasterCard PayPass
– CVM-Liste: Online-PIN, Unterschrift, keine Identifikation – nur in Deutschland wird mit PIN gezahlt, im Ausland mit Unterschrift
– Keine Verzinsung des Kontoguthabens
– Kein Dispositionskredit zum Girokonto
– Keine Erstattung von Surcharges am Automaten

Consorsbank:
+ Keine Fremdwährungsgebühr, weder bei Bargeldabhebung noch bei unbarer Zahlung
+ Visa payWave
+ Cashback: 10 Cent pro Kartenzahlung, gedeckelt auf Gesamtsumme von 25 Euro pro Quartal, bis 31.12.2015
+/- Debit-Karte: Zeitnahe Abrechnung von Umsätzen nach 1-3 Tagen, App ID ist „Visa Debit“, wird auch von Kassensystemen als solche (bzw. „Delta Card“!) erkannt, daher bessere Akzeptanz/Sparen von Kreditkartengebühren z.B. bei easyJet, allerdings fehlt das Logo „Visa Debit“, also keine verbesserte Akzeptanz ggü. Visa Credit bei Card-present-Transaktionen
– CVM-Liste: Online-PIN, Unterschrift, keine Identifikation – nur in Deutschland wird mit PIN gezahlt, im Ausland mit Unterschrift
– Keine Verzinsung des Kontoguthabens
– Keine Erstattung von Surcharges am Automaten

Billig-Euro und Niedrigzins, gut für den Verbraucher?

Die EZB setzt auf eine Niedrigzins- und Weichwährungspolitik, um die Inflation anzukurbeln und Exporte günstig zu machen. So soll die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden. Nun gut, Deflation ist durchaus ein Problem. Wenn auch nicht so sehr für den Verbraucher, sondern eher für den Staat, der ja ordentlich in der Miese steckt.

Die Frage ist aber, ob die viel gepriesenen Maßnahmen nicht vielmehr die Binnenkonjunktur abwürgen. In der Schweiz hat man mit dem festen Euro-Franken-Wechselkurs bereits festgestellt, dass das billige Geld im Land herumschwirrt und für Mondpreise bei Immobilien sorgt. Im Mieterland Deutschland könnte das massive soziale Probleme auslösen, zumal auch Städte wie Berlin längst nicht mehr für so preiswerte Wohnungen stehen wie noch vor 20 Jahren.

Deutschland ist an sich auch kein besonders rohstoffreiches Land. Es gab ein paar Kohlegruben, man könnte vielleicht mit Fracking etwas machen, Landwirtschaft gibt es auch, das Land könnte sich aber kaum selbst versorgen. Der Großteil der Wertschöpfung findet in Handwerk und Industrie statt. Aber irgendwelche komplizierten Industrieanlagen braucht der Verbraucher meist nicht, und die Produkte für Konsumenten werden woanders hergestellt. Die ohnehin in der Eurozone und besonders in Deutschland überteuerten langlebigen Konsumgüter (Elektronik, Medien, Kleidung, Schuhe), genauso wie Reisen, werden somit noch teurer. Es entsteht eine gefährliche Blase.

Ich bin kein Ökonom und würde mich über sachkundige Kommentare sehr freuen. Dass die aktuelle Politik aber ein Patentrezept sein soll, bezweifle ich stark. Es könnte noch zu unangenehmen Verwerfungen nicht nur hierzulande führen. Ich hoffe sehr, dass bei den diesjährigen General Elections in Großbritannien ein Wahlerfolg der UKIP ausbleibt.

Kenne deinen Kartentyp – Warum Visa Debit nicht gleich Visa ist

Als Kunde der Consorsbank (eigentlich BNP Paribas Zndl Deutschland, Nürnberg) habe ich zu meinem Girokonto eine kostenlose Visa-Karte bekommen. Sie wird in der Werbung als „VISA Card“ bezeichnet, ganz schüchtern taucht in einer Aufzählung der Punkt „Behalten Sie dank Debitfunktion den Überblick: Zahlungen und Abhebungen erscheinen sofort auf Ihrem Konto“ auf.

Consors VisaAuf der Karte ist (und das ist höchst nachlässig!) nur das reguläre Visa-Logo angebracht. Nicht das Logo mit dem zusätzlichen Schriftzug „DEBIT“ unter dem Visa-Logo, wie man es etwa von britischen oder US-amerikanischen Karten kennt, die dort oftmals als Hauptkarte zum Girokonto ausgestellt werden. Zwar ist die EMV-AID immer A0000000031010, egal ob die Karte nun Visa Credit oder Visa Debit ist. Aber anders als es viele Laien vermuten, gibt es dennoch einen ganz erheblichen Unterschied. So sind die Kosten für die Akzeptanz von Visa-Debit-Karten für viele ausländische Händler geringer (hier die Aufstellung der Interchange-Kosten für internationale EWR-Transaktionen, die einen Teil der Händlergebühren ausmachen).

Screen Shot 2015-01-22 at 00.02.43 (EZY Cards)Neulich wieder erlebt: Ich buche einen Flug bei easyJet. Auswahl bei Kartentyp u.a. zwischen „Visa“ und „Visa Debit“, zu meinem Erstaunen sogar in der deutschsprachigen Fassung der Seite, obwohl hier die allermeisten Nutzer unwissend sind. Ich bin natürlich sofort auf die Option „Visa Debit“ gegangen, was die Buchung gleich rund zwei Euro billiger gemacht hat (108,54 Euro statt 110,71 Euro), da dann easyJet auf Kreditkartengebühren verzichtet. Natürlich mit der Consorsbank-Visa-Karte gezahlt. Die Transaktion ging problemlos durch und wurde bestätigt. Nutzer bestimmter amerikanischer Visa-Debit-Karten beklagen in Foren, dass das easyJet-Buchungssystem ihre Karten nicht richtig erkennt, aber zumindest in dieser Hinsicht gleicht die deutsche Visa Debit der Consorsbank in ihrer Funktionalität exakt denen etwa aus Großbritannien. Das sollte sich dann auch am POS, also an der elektronischen Kasse, zeigen.

FoylesDeltaCardBeim Buchhändler in London nutzte ich die Karte natürlich ebenfalls, zumal sie mit 0% Fremdwährungsgebühr auch bei bargeldloser Zahlung, anders als etwa DKB, DAB, comdirect, ING-DiBa, netbank usw., für Weltenbummler sehr attraktiv ist. Es erschien auf dem Kassenzettel sogar die Angabe „DELTA CARD“ – die alte Bezeichnung für Visa Debit in Großbritannien, die schon seit ca. 10 Jahren nicht mehr verwendet wird – als Zahlungsmethode! (Dass die Karte im Ausland als Chip & Signature-Karte funktioniert, weil sie nur Online-PIN und kein Offline-PIN kann, und das sehr suboptimal ist, ist wiederum eine andere Baustelle…)

Auch bei PayPal habe ich die Karte (als Visa-Karte) als Zahlungsmethode eingetragen. In der Einzelansicht der Transaktionen heißt es dann immer, abgebucht wurde von „Visa Debit Card“.

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Nur weil in Deutschland und der Kartentyp „Visa Debit“ eine untergeordnete Rolle im Zahlungsverkehr spielt und viele gar nicht wissen, was das ist – zumal hierzulande oft Visa und MasterCard mit Kreditkarten gleichgesetzt wird und man bei Debitkarte lediglich an V-Pay, Visa Electron oder Maestro denkt –, ist das im Ausland nicht automatisch der Fall. Den Unterschied und den entsprechenden Kartentyp der eigenen Karte zu kennen kann bares Geld sparen.

(Es ist also ganz einfach: Visa Debit ist eine Karte, die überall akzeptiert wird, wo Visa akzeptiert wird. Alles, was mit Kreditkarten funktioniert (z.B. Reservierung eines Betrages oder Offline-Transaktion mit Magnetstreifen im Zug), aber nicht notwendigerweise mit den „klassischen Debitkarten“ wie Visa Electron oder Maestro, funktioniert auch mit Visa Debit, Meist hat eine Visa-Debit-Karte eine hochgeprägte Kartennummer, die Abrechnungsmodalität ist die einer Debitkarte, die Akzeptanzkosten sind für internationale Händler geringer.)

Uber wirkt, Fernbus wirkt

Fundstück heute: „Berliner Taxen müssen bald Kartenzahlung akzeptieren

Wermutstropfen: Die Strafgebühr von 1,50 Euro pro Kartenzahlung soll bleiben. (Offenbar lässt man sich lieber überfallen, als für die sichere Kartenzahlung zu trommeln.)

Und dennoch: Man merkt hier, wie verschlafene, staatlich geschützte Branchen sich plötzlich bewegen, wenn ein neuer Wettbewerber aktiv wird. Ob es nun Uber ist, wo grundsätzlich per Kreditkarte abgerechnet wird, oder der Fernbus, der der Deutschen Bahn derzeit massiv Beine macht – denken wir nur an das kostenlose WiFi in der 1. Klasse des ICE oder die kurzfristige Buchung von Sparpreisen.

Glaubt die Kreissparkasse Böblingen an ihre eigenen Produkte?

Daran kann man zumindest zweifeln.

Denn auch dort hat sich die besonders bei Sparkassen und Volksbanken in der Provinz verbreitete Praxis eingebürgert, Inhabern von bestimmten Karten Barauszahlungen zu verweigern. (Die Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam macht das anders – dort kann man pro VISA-Transaktion maximal 50 Euro abheben. Auch das ist eine eher merkwürdige Praxis.)

Kein BargeldEin solcher Hinweis ist an den Geldautomaten der Kreissparkasse Böblingen im Einkaufszentrum „Mercaden“ in Böblingen zu sehen. Demnach kann man mit VISA-Karten von ING-DiBa, DKB, Volkswagen Bank, Santander Bank, CC Bank, comdirect und Allbank kein Bargeld abheben. Nun bieten in der Tat einige Direktbanken kostenlose Bargeldabhebungen mit der VISA-Karte an, wie die ING-DiBa oder die DKB. Die comdirect tut dies jedoch nur im Ausland. Allbank und CC Bank gibt es gar nicht mehr. Noch kurioser: Die Santander Bank ist eine Filialbank. Geht es lediglich darum, Wettbewerbern Steine in den Weg zu legen?

Fakt ist jedenfalls, dass auch für Abhebungen mit der VISA-Karte Gebühren von der ausstellenden Bank an den Geldautomatenbetreiber gezahlt werden, es handelt sich also nicht um Schnorren o.ä. Diese bewegen sich im Bereich von knapp zwei Euro, was kostendeckend sein dürfte. Ich bezweifle auch sehr stark, dass comdirect oder DKB weniger zahlen müssten als eine fremde Filialbank, es dürfte vielmehr an der Popularität ihrer Produkte liegen. Die Privatbanken verlangen auch für die Abhebung mit der girocard, wo ein direktes Kundenentgelt anstelle eines Interbankenentgeltes berechnet wird, fast immer 1,95 Euro. Man sieht dort auch kein Problem in der Mitnutzung durch Kunden anderer Banken, da dies den Betrieb der Automatenstandorte rentabler mache. Die ING-DiBa stellt sogar selbst Automaten an Bahnhöfen und anderen Orten mit viel Laufkundschaft auf, um davon zu profitieren.

Mit solchen Praktiken, liebe Kreissparkasse Böblingen, gewinnt man jedenfalls keine neuen Kunden. Direkt neben dem Einkaufszentrum am Bahnhof befindet sich eine Postbank, wo man die Dinge etwas gelassener sieht. Und sollte der Betrieb von Geldautomaten wirklich so teuer sein, dann bewirbt doch das bargeldlose Zahlen.

Mittelfristig besteht die Gefahr, dass durch solche Aktionen die einheitlichen Zahlungssysteme fragmentiert werden und man sich nicht mehr sicher sein kann, dass überall Visa drin steckt, wo Visa drauf steht.

Kontaktlos in Stuttgart unterwegs

Seit ich im September dieses Jahres ein Girokonto bei der Consorsbank, damals noch Cortal Consors, eröffnet habe, befinde ich mich in einer Art dauerhaften No-Cash-Challenge (mehr zu dieser „Sportart“ hier). Denn für jede Visa-Zahlung gibt es 10 Cent Cashback, und auch für jede girocard-Zahlung mit PIN, also nicht für elektronisches Lastschriftverfahren. Außerdem kann man durch die eigene Bank ein elektronisches Haushaltsbuch führen lassen, so dass man schnell und systematisch nachschlagen kann, wo man am meisten Geld gelassen hat. Inzwischen sehe ich es als echten Servicemangel an, wenn Restaurants (mit Bedienung) keine Karten akzeptieren – das wäre allenfalls bei einer Wurstbude noch verständlich.

Consors VisaDie Visa-Karte von Consors ist einerseits eine Visa Debit, andererseits ist sie mit der kontaktlosen payWave-Funktion ausgestattet. Ist das Kartenterminal entsprechend ausgestattet, kann man die Karte einfach kurz vor den Bildschirm des Gerätes halten, statt sie wie üblich zu stecken, und bei Transaktionen unter 25 Euro wird dann im Regelfall weder Unterschrift noch PIN verlangt.

Positive Erfahrungen

Karstadt Sports: Der Händlerbeleg mit einem Verweis auf B+S Card Service GmbH enthielt trotz des geringen Betrages (ca. 12 Euro) und der kontaktlosen Zahlung mit Visa payWave ein Unterschriftenfeld! Dabei zeichnet sich die kontaktlose Zahlung gerade dadurch aus, dass bei geringwertigen Einkäufen keine Unterschrift und auch keine PIN-Eingabe erforderlich ist.

Kaufhof am Hauptbahnhof: Die Verkäuferin kannte das Verfahren nicht, es klappte jedoch anstandslos und ohne Identifikation.

Bahnhof-Apotheke (Königstraße 4): Die Apothekerin kannte das Verfahren nicht, es klappte jedoch anstandslos, nachdem ich sie (angesichts des neuen Ingenico-Terminals) fragte, ob wir das versuchen können. Abzüge gibt es in der B-Note dafür, dass das Personal dennoch auf einer Unterschrift von mir bestand, auch wenn auf dem Beleg kein solches Feld aufgedruckt war.

Negative Erfahrungen

Jet-Tankstelle (Hauptstraße, Echterdingen): Zwar ist auf dem ICP-Terminal ein Kontaktlos-Logo aufgeklebt, jedoch bezieht sich das offenbar nur auf girogo, das auf dem Bildschirm angezeigt wird. Hält man die Visa-payWave-Karte an das Gerät, piept es, aber mehr passiert nicht. Vom Personal hieß es, es habe noch keiner erfolgreich kontaktlos zahlen können.

Da Cesare: Ein tragbares Ingenico-Terminal neuester Generation befindet sich bei diesem Italiener in der Nähe des U-Bahnhofs Rathaus. Nur ist die Kontaktlosfunktion offenbar nicht freigeschaltet, denn es wird weder zum Vorhalten aufgefordert noch reagiert das Gerät darauf. Es muss gesteckt werden.

tegut im Milaneo: Ein etwas eigenartiger Supermarkt in dem neuen Einkaufszentrum – ziemlich auf Bio getrimmt, mit Klaviermusik im Hintergrund, aber auch viele konventionelle Waren führend. An der Kasse die gewohnten Verifone-Geräte, die man auch in Berlin bei Ullrich und Kaiser’s sieht. Allerdings ist die Kontaktlosfunktion offenbar nicht freigeschaltet, denn es wird weder zum Vorhalten aufgefordert noch reagiert das Gerät darauf.

Fazit

In Stuttgart scheint die Kontaktlos-Zahlung noch nicht wirklich angekommen zu sein. Einige Händler unterstützen es, oft ohne dass es das Personal bewusst weiß. Bei anderen ist die Unterstützung trotz moderner Kartenterminals gar nicht vorhanden. Allerdings ist selbst in Berlin das Bild gemischt. Einige wenige Verkäufer an den Kassen kennen es, denn es ist schneller und spart Aufwand, andere (hier sind insbesondere einige Kaiser’s-Filialen zu nennen, die fast alle Karten nehmen) verweigern vehement die Freigabe des Terminals, bevor sie die Karte in der Hand hatten und stecken diese dann. Wir schauen mal in ein, zwei Jahren erneut auf dieses Thema…