Die Buchpreisbindung und ihre Folgen

Wie einige Leser wissen, studiere ich Jura, und zwar im Schwerpunktbereich Verbraucherprivatrecht. In einer Vorlesung wurde uns nahegelegt, das Buch AGB-Recht von Martin Schwab zu erwerben.

Auf Amazon.de kostet es 49 Euro, mit kostenfreier Lieferung. Aber dann schaute ich auf Amazon.co.uk, und war überrascht. Dort ist der Preis für ein und dasselbe Buch nur £30.90, was 36,11 Euro entspricht.

Mit den Versandkosten nach Deutschland, die £4.98 betragen, und dem deutschen Mehrwertsteuersatz von 7%, entsprechend £2.51, waren es insgesamt £38.39, also 44,87 Euro. Ja, die schlauen Briten haben einen 0%-Steuersatz auf Bücher, denn sie wollen gebildete Bürger, nicht so wie bei uns – aber wenn man ins EU-Ausland bestellt, muss der Händler stets den Mehrwertsteuersatz des Ziellandes berechnen.

Also immer noch eine Ersparnis von vier Euro. Deutsche Bücher sind also in Großbritannien billiger als in Deutschland. Zumindest manche.

Die Krönung des Ganzen war aber, dass das Buch als Paket offenbar vom deutschen Amazon-Versandzentrum Bad Hersfeld per DHL verschickt wurde. Das Buch wurde offenbar von Deutschland nach Deutschland exportiert – aber der formale Umweg über UK hat mir den Rabatt beschert. Der Fairness halber müssen wir erwähnen, dass die Rechnung von amazon.co.uk statt von amazon.de kam.

Schuld an dieser irrwitzigen Situation ist die sogenannte Buchpreisbindung. Sie ist im Gesetz über die Preisbindung für Bücher (Buchpreisbindungsgesetz, BuchPrG) von 2002 gesetzlich festgeschrieben.

Nun mag die Motivation sehr edel sein, die “kleinen Händler” zu schützen. Allerdings fällt mir kein Grund ein, Bücher anders zu behandeln als etwa Lebensmittel. Da käme auch niemand mehr auf die Idee, einen Einheitspreis gesetzlich vorzuschreiben. Auch wenn es da wahrscheinlich noch wichtiger ist, kleine Händler in der Nachbarschaft zu haben.

Die Folge ist nämlich, dass findige Kunden ihre Produkte aus dem EU-Ausland bestellen. Das ist zollfrei, und die Kaufkraft fließt ins Ausland ab. Das ist aber auch mehr als nur nachvollziehbar – und deswegen sollte diese nach Planwirtschaft anmutende deutsche Regelung sofort abgeschafft werden.

Nachtrag: Auch die italienische Seite von Amazon verkauft deutschsprachige Bücher deutlich billiger.

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5 Kommentare.

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Buchpreisbindung#Ziele_der_Buchpreisbindung

    Es geht nicht nur um die Händler, sondern auch um Quersubventionierung in den Verlagen zu ermöglichen, um so kulturell und akademisch anspruchsvolleren Werken zur Publikation zu verhelfen, obwohl sie wenig Umsatz bringen.
    Hast du Vorschläge, wie das trotz Abschaffung des BuchPrG erreicht werden kann?

  2. Lieber Namensvetter,
    mit den heutigen Möglichkeiten zum Digitaldruck kann man auch kurzfristig kleine Auflagen herstellen. “Kulturell und akademisch anspruchsvolleren Werken zur Publikation zu verhelfen, obwohl sie wenig Umsatz bringen” klingt relativ weit hergeholt.

    Denn die Verlage sind sowieso frei, die Händlerpreise so festzusetzen, wie sie wollen, und sie können ja auch bei einem freien Markt Mischkalkulationen machen. Schau dir Amazon.de an, diese bieten immer kostenlosen Versand für Bücher, obwohl der Versand an sich ja schon einiges kostet. Da sind also fette Margen im Buchhandel drin, die den Verlagen nicht zugute kommen, sondern eben Amazon, Hugendubel, Thalia & Co.

    Ich teile auch deine Meinung nicht, dass ein freier Markt der Wissenschaft oder der Kultur schadet. Gerade Studenten und Wissenschaftler würden sich über niedrigere Preise und mehr Wettbewerb freuen. Öffentliche Büchereien könnten sich von ihren sowieso geringen Budgets mehr Literatur anschaffen.

    Meiner Ansicht nach haben wir sowieso zu viel Bürokratie und zu viele Verbote in Deutschland – die Buchpreisbindung kann man gleich als erstes abgeschafft werden. Denn gebildete Bürger sind am Ende wichtiger als fette Margen für Handelsketten.

  3. Schweizer lehnen Buchpreisbindung ab! | Fischerinsel.org - pingback on März 11, 2012 um 5:29 pm
  4. Fischerinsel.org Keywords Most Sought After | Fischerinsel.org - pingback on April 17, 2013 um 12:17 am

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