Kindheit und Schulzeit – Die irrationale Abneigung gegen das achtjährige Gymnasium

Gerade macht der Artikel “Schulzeitverkürzung: Brief an eine Gymnasiastin” von Henning Sußebach, veröffentlicht auf Zeit.de, die Runde. In diesem Brief bedauert der Verfasser seiner Tochter Marie gegenüber mit Sätzen wie “Und Du sollst wissen, dass ich Dir das gestohlene Jahr zurückgeben möchte.”, dass die Schulzeit verkürzt und beschleunigt sei.

Mehr Kulturpessismismus geht nicht! Die Bildungslobby hat sich immer wieder gerne über die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium (G8, “Schnellläufer”) beklagt. Dabei ist das Abitur nach 12 Jahren Schulzeit in vielen Nationen Europas üblich. Auch in Sachsen und Thüringen ist das Abitur nach 12 Jahren Schule schon seit DDR-Zeiten üblich. Und das sächsische Schulsystem gilt als vorbildlich.

Wenn es Probleme bei der Einführung von G8 gibt, dann haben bestimmte Bundesländer vergessen, ihre Lehrpläne zu entrümpeln. Es wird zu viel Faktenwissen gelehrt, welches im Alltag später nicht mehr benötigt wird und auch schnell wieder vergessen wird. Die Nebenwirkungen der Einführung sind aber nicht Probleme von G8 an sich, sondern Probleme der konkreten Umsetzung.

Persönlich bin ich froh darüber, G8 gemacht zu haben. Und dann hatte ich im Studium Zeit für ein Auslandsjahr, werde etwas früher auf die Berufswelt losgelassen zu werden, kann mich selbst verwirklichen, statt ein Jahr länger im starren Schulsystem zu stecken, täglich die selben Gesichter zu sehen, um sechs Uhr morgens aufstehen zu müssen, und zu Sport und Kunst gezwungen zu werden. Im eigenen Tempo ist jeder Mensch am glücklichsten und produktivsten. Diesen Luxus sollten wir gerade auch unserer nachwachsenden Generation zugestehen.

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1 Kommentare.

  1. “Es wird zu viel Faktenwissen gelehrt, welches im Alltag später nicht mehr benötigt wird und auch schnell wieder vergessen wird.” und
    “… um sechs Uhr morgens aufstehen zu müssen, und zu Sport und Kunst gezwungen zu werden.”

    Das hast du wirklich schön gesagt!
    Wir hatten alle so Fächer wie Musik, wo man was über Noten gelernt hat, vielleicht bisschen Harmonielehrer etc hatte – aber was hat einem das letztendlich gebracht? NICHTS!
    Selbiges gilt für Sport, den macht man auch nur, um Noten zu vergeben, unabhängig davon, ob es dem Kind Spaß macht oder nicht, egal, ob er die Sportart mag oder nicht, man MUSS ich da durchquälen oder man schwänzt irgendwie.

    Leute, die sich für Musik interessieren, gehen entweder gleich zur Musikschule oder machen sowas im Rahmen einer AG. Analog zum Sport eben ein Verein oder eine AG. Wir talentiert ist, wird dieses unabhängig von dem Unterricht weiter verfolgen. Es kann nicht angehen, dass man einen schlechten Schnitt bekommt, weil man dafür (und auch in Sport) kein Talent für hat.
    Also wenn schon Musik und Sport, dann bitte im Rahmen einer AG, wo man sich zumindest das Instrument bzw. die Sportart aussuchen kann!
    Dann haben Kinder auch mehr Spaß an der Sache.

    Kunst widerum würde ich sagen, das ist schon wichtiger, da vieles vom Design abhängt, egal ob ich als Künstler Bilder male, als Webhoster meine Seite gestalte oder als Ingenieur mein Produkt designe, um es besser zu verkaufen. Da können Grundlagen der Kunst nicht schaden.
    Daher finde ich es umso schrecklicher, dass meine alte Schule, wo ich in der Oberstufe war, kein Kunst, sondern nur Literatur anbietet, was keine Wahl zulässt.

    Zu anderen Fächern kann ich dir nur zustimmen: Leerpläne ausmisten.
    Und was die freie Zeit angeht: Mehr von der Politik berufsfindende Schulungen unterstützen, mehr Raum für Qualifikationen anbieten, die einjährige Höhere Handelsschule für Abiturienten (bei mir in der Stadt) ist ein gutes Beispiel, wie man das 13. Jahr verbringen kann. Da wird man auf wirtschaftliche Karrieren vorbereitet, ohne jahrelange Verpflichtungen, man bekommt Einblicke in die Arbeit dieser Branche und kann schauen, ob man weitergehen möchte in diese Richtung oder nicht.
    Man muss es zwar nicht nutzen, aber wenn man dies absolviert hat, hat man Grundkenntnisse (was bei Wirtschaft immer ein Vorteil sein kann).
    Und so weiter, das Thema kann man vertiefen, worauf ich gerne verzichten möchte ;-)

    Gruß, Viktoria

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