Archiv nach Kategorien: United Kingdom

Railtrack Ltd

Das private britische Eisenbahninfrastrukturunternehmen Railtrack plc wurde nach krisenreichen Jahren im Jahr 2003 in die staatliche Network Rail Infrastructure Ltd umgewandelt. Der Name Railtrack war dann wieder verfügbar. Ein findiger schottischer Geschäftsmann gründete daher im Mai 2003 die Railtrack Limited mit Sitz in einem Wohngebiet in Edinburgh.

Railtrack Limited – welches komplett inaktiv war und keine Geschäftstätigkeit pflegte – erhielt schon kurz darauf viele Briefe von Inkassounternehmen, Rechtsanwälten, anderen Institutionen wie auch Privatpersonen, welche offenbar bei der Recherche geschlampt haben und davon ausgingen, “mit der Bahn” zu schreiben. Es ging unter anderem um Schadensersatzforderungen, Baugenehmigungen und Verfahren vor dem Arbeitsgericht (Employment Tribunal) sowie dem Amtsgericht (Magistrates Court).

Doch der Unternehmer hat natürlich dafür gesorgt, dass jeder seine Antwort bekommt, die ihm zusteht. Die besten Antworten wurden als eBook bei Amazon veröffentlicht. Die ersten Seiten sind kostenlos einsehbar und sehr unterhaltsam…

Ich zitiere: “PS We’ve just noticed that their letter is headed ‘Strictly Private & Confidential’. We therefore enclose a copy in case they are trying to keep you in the dark.

Nachrufe in deutschen Medien: Thatcher vs. Chávez

Margaret Thatcher ist heute morgen verstorben. Der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk scheint aber in seinen Nachrufen lieber vergangene Schlachten schlagen zu wollen.

Man vergleiche den extrem kritischen Nachruf auf sie (http://www.tagesschau.de/ausland/thatcher152.html) mit dem Nachruf auf Hugo Chávez (http://www.tagesschau.de/ausland/chavez254.html).

Thatcher werden “Politik mit harter Hand“, Kompromisslosigkeit und Gegnerschaft zur deutschen Wiedervereinigung angekreidet. Hugo Chávez wurde ganz anders gewürdigt: Dass unter seiner Regierung die Pressefreiheit extrem gelitten hat und die Kriminalität erhebliche Ausmaße angenommen hat, wird nur nebenbei am Rande erwähnt. Vielmehr wird der Putin Südamerikas als selbstloser Wohltäter und Sozialpolitiker dargestellt.

Aber die ÖR-Medien sind leider auch kein Garant für neutrale politische Bildung. Siehe auch die reißerische Amazon-Berichterstattung, die Darstellung von “Killerspielen” oder das Hickhack um Roland Koch und Nikolaus Brender. Da ist zu viel Parteiproporz mit im Spiel.

(Eine private Diskussion hatte ich im Anschluss noch über den vermeintlichen Enthusiasmus des ehemaligen Empires im Falklandkrieg.

Auf den Inseln leben aber, anders als z.B. in Hongkong, vor allem englischsprachige Nachfahren britischer Einwanderer, die bei der argentinischen Invasion sicherlich nicht gejubelt haben. Eine kürzlich stattgefundene Abstimmung fiel auch deutlich zugunsten des Status quo aus. Als Deutscher mag man das belächeln, und weil das eigene Land keine Überseeterritorien hat, kann man sich auch nicht in die Situation versetzen. Aber für die Briten, die sich auch als Schutzmacht der Falkländer verstehen, war das schon eine ernste Sache.)

Das britische Kassensystem

Der britische Einzelhandel ist im europäischen Vergleich einer der innovativsten. Was Kundenbindungsprogramme, Rabattaktionen, Kassensysteme, usw., aber auch Ladenkonzepte angeht, können Kontinentaleuropäer mit den Trends aus dem anglo-amerikanischen Raum nur schwerlich mithalten. Für die gestressten Stadtmenschen, die sich hauptsächlich von industriellen Convenienceprodukten ernähren, hat neulich REWE ein Marktkonzept “REWE To Go” in Köln entwickelt – während ähnliche Modelle in Großbritannien (etwa M&S Simply Food an Bahnhöfen) bereits seit längerem etabliert sind.

So war ich mehr als nur erstaunt, heute im TK Maxx Hannover ein Kassensystem mit Aufrufanlage zu entdecken, wie es im UK-Einzelhandel schon mehr als üblich ist!

Man stellt sich da in einer großen Schlange an und nacheinander werden die Wartenden aufgerufen. Kein Ärgern, wenn es in allen anderen Schlangen schneller geht, weil ein schusseliger Kunde vor einem die PIN vergessen hat oder ähnliches.

Anstatt des britisch-englisch-gesungenen “Cashier number four please” ertönte dort ein deutsches “Kasse Nummer 4 bitte”, gesprochen von einer seriös-tiefen Frauenstimme.

Vor rund einem Jahr fragte ich mal den Geschäftsführer einer Berliner Supermarktkette, ob sie die Einheitswarteschlange im Supermarkt auch einmal probieren würden. Sinngemäß bekam ich zur Antwort, dass es zwar schon getestet wurde, die Kunden das aber nicht verstehen würden. Zu Stoßzeiten würde es zu erheblichen Unruhen im Markt kommen, und Kunden, die etwas im vorderen Ladenbereich (wie Zeitschriften) kaufen wollen, würden nicht verstehen, warum sie sich wieder rückwärts in den Markt begeben sollen.

Schade, wirklich sehr schade.

Liebe Bewerber, bitte beachtet:

Es heißt nicht mehr Bundespost und es gibt auch keine Reichsbahn mehr.

Network Rail, das britische Eisenbahninfrastrukturunternehmen, gab seinen Bewerbern das auf ihrem Facebook-Recruitingauftritt als Tipp mit auf den Weg…

Es ist schwer, sich in Deutschland gesund zu ernähren…

Gibt es hier zu viele Hausfrauen, haben die Menschen zu viel Zeit oder sind sie einfach blöd? Kann ja nicht sein, dass es für industriellen Obstsalat hier (in Berlin!) keinen Markt gibt… Die Briten können nicht vieles gut, aber darin sind sie uns 10 Jahre voraus.

Tesco Metro Tottenham Court Road

Tesco Metro Tottenham Court Road: "We have done all the hard work so you don't have to" – Industrie-Obstsalat im Kühlregal.

Kann man sich ein Wochenende nur von Boots Meal Deals ernähren?

Ich habe es versucht, aber irgendwie war das dann doch etwas zu eintönig. Sarrazinkompatibel wäre es auch nicht gewesen.


Kulinarischer Hochgenuss aus Großbritannien: Ein Sandwich (oder Wrap), ein Snack, ein Getränk.

Hot Food

In meiner England-Zeit beschränkten sich meine Essgewohnheiten nicht nur auf Sandwiches. Es war zumindest in der Londoner Innenstadt auch immer ein Leichtes, zum Beispiel frisch gemachte Nudelsuppe oder Sushi zu erwerben, also halbwegs gesundes und gleichzeitig schnelles und preiswertes Essen.

Besonders gut gefallen hat mir aber das Chicken Tikka von Sainsbury’s, das in großen Plastikboxen mit Reis für etwa £3.50 angeboten wurde. Das wurde warm verkauft und konnte sofort gegessen werden. Auch Chicken Jalfrezi, Chili con Carne und Vegetable Masala gab es. War auch alles angenehm scharf.

Nun bin ich ja schon seit mehr als einem halben Jahr in Deutschland, und meine Hoffnung war ja immer: “Was Sainsbury’s kann, kann Ullrich am Zoo schon lange.” Also war ich neulich dort und habe mir wagemutig die Gänsebrust mit Rotkohl und Kartoffeln für 7 Euro zum Mitnehmen gekauft, in einer schicken Alu-Verpackung.

Die Gänsebrust war aber eine eher trockene Angelegenheit und die Kartoffeln mit Soße schmeckten ziemlich langweilig. Es wirkte wie ein mäßiges Kantinenessen, das nicht einmal das Junk-Food-Flair des Sainsbury’s Chili con carne hatte…

Krankentransport will Mann vier Jahre nach seinem Tod abholen

Es gibt viele Dinge, die ich am britischen Alltagsleben bewundere. Das Gesundheitssystem, der berühmte NHS, gehört allerdings eher nicht dazu.

Wie der Newark Advertiser berichtete, fuhr ein Krankenhaustransportwagen bei einer 65-jährigen Witwe aus Newark (Nottinghamshire) vor, um ihren vor vier Jahren an Lungenkrebs verstorbenen Mann zu einem Arzttermin abzuholen. Sie und ihre vier Kinder sind darüber äußerst geschockt.

Der East Midlands Ambulance Service hat inzwischen eine Untersuchung angeordnet, um den Grund für diese Verwechslung aufzuklären, denn der Verstorbene war nie Patient bei der Arztpraxis, zu der er gefahren werden sollte.

Quelle: http://www.newarkadvertiser.co.uk/articles/news/Widows-fury-over-mix-up

Das erinnert mich irgendwie an einen alten DDR-Witz:
“Ihren Trabant können Sie dann morgen in 10 Jahren abholen.”
“Soll ich vormittags oder nachmittags kommen?”
“Das ist egal.”
“Vormittags wär halt schlecht, weil da der Klempner kommt.”